Golem Korab / Maja e Korabit (2764 m) - der höchste Berg der Republiken Nordmazedonien und Albanien

Im Gewitter am Gipfel zweier Länder

Golem Korab
Tour:
Besteigung des höchsten Berges der Republiken Nordmazedonien und Albanien
Region / Gebiet:
Korabgebirge
Termin:
19.07.2019
Höhenmeter:
ca. 1350 HM↑↓
Ereichte Höhe:
2764 m (9068 ft), Golem Korab (mazedonisch in kiryllischer Schrift: Kopaб)
GPS-Koordinaten:
Breite: 41.790351° N
Länge: 20.546687° O
Anstrengung:
mittelschwere Wanderung, BW2
Ausrüstung:
Wander- oder Trekkingschuhe, Wetterschutz
Gefahren:
- Wetter (Gewitter)
- Teilweise aggressive Hirtenhunde

Nach oben 19.07.2019 Golem Korab

MavrovoGestern bin ich von München über Wien mit dem Flugzeug in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje eingetroffen. Mit einem kleinen Mietwagen bin ich dann Richtung Südost gefahren. Um etwas von Land und Leuten zu sehen, bin ich die 120 Kilometer bewusst über kleine Nebenstraßen und Ortschaften gefahren. Im Mavrovo-Nationalpark erreichte ich schliesslich den Wintersportort Mavrovo, wo ich ein Hotelzimmer gebucht hatte. Im Sommer ist hier nur wenig Fremdenverkehr, mein Hotel mangels Reservierungen geschlossen, weswegen man mich ohne Aufpreis bereits in das benachbarte 4-Sterne Resort umgebucht hatte.

Den Abend beendete ich bei einer guten Mahlzeit mit mazedonischem Bier im Hotelrestaurant.

PobedaNach einem guten Frühstücksbuffet beginne ich die Fahrt zum Startpunkt der Wanderung zum Golem Korab. Das Navi "verspricht" für die 28 Kilometer über eine Stunde Fahrzeit. Entlang des Mavrovo-Stausees fahre ich etwa 5 Kilometer nach Norden. Direkt nach der Überquerung des Staudamms wird nach Westen abgebogen. Gut ausgebaut schlängelt sich die Straße ein Tal hinab. Nach weiteren 9 Kilometern biege ich nach rechts über eine Betonbrücke in ein Seitental ab: Wenige hundert Meter später verwandelt sich der Teerbelag in eine üble, mit Schlaglöchern übersähte Schotterpiste, welche entlang des Flusses Radika das Tal hinauf führt. Anscheinend stimmt die Zeitplanung des Navi. Mit kaum mehr als 20 Stundenkilometern fahre ich weiter, Lichtungimmer wieder größeren Steinbrocken auf der Piste ausweichend. Hinter der Grenzpolizeistation Stresimir wird die Piste nochmals schlechter. Nach weiteren etwa 3 Kilometern biege ich an der Beschilderung Korab scharf links ab. Nochmals folge ich dem Fahrweg etwa 3 Kilometer bevor - zuletzt kurvig und steil - das Grenzpostenhaus Pobeda erreicht wird. Neben einigen Parkmöglichkeiten gibt es hier auch einen überdachten Picknicktisch, der von den hier zeltenden Bergwanderern genutzt wird.

AlmwiesenEin beschriftetes Holzschild kennzeichnet den Beginn des Aufstiegsweges, der bis zum Gipfel deutlich mit rot-weissen Farbmarkierungen versehen ist. Ich gehe gegen 08:50 Uhr los. Der Pfad steigt in einigen Serpentinen an, bevor er wieder auf den Forstweg trifft, dem danach einige Minuten zu folgen ist. Es folgt ein Wegstück durch dichten Wald eher der Pfad eine größere Lichtung quert, die schöne Ausblicke auf die westlich gelegenen Berge an der albanisch-nordmazedonischen Grenze gewährt. Wieder führt die Beschilderung auf den Forstweg, dem nun bis zu einer markanten Schäferhütte mit Stallungen gefolgt wird. Der Steinwildnisgekennzeichnte Pfad führt südlich der Behausung vorbei und steigt nach Westen die Almweiden empor. Im weiteren Verlauf erleichtern neben den farbigen Steinmarkierungen immer wieder rot-weiss markierte Holzpfähle die Orientierung. Diese scheinen aber die Markierungen des Grenzverlaufs zwischen Albanien und Nordmazedonien zu sein, dem der Aufstiegspfad oft parallel folgt.

GipfelzeichenDem steiler werdenden Pfad folgend steige ich in der Morgensonne schwitzend in Richtung Südwest weiter auf, bis auf etwa 2000 m Höhe eine markante Kammlinie erreicht wird. Dieser folge ich weiter ansteigend bis der Blick nach Westen frei wird: Der weitere Wegverlauf quert nun für die nächsten 30 Minuten unter den Südabstürzen der Bergkette und bleibt dabei relativ gleichmässig zwischen 2200 und 2300 Meter Höhe.

GipfelbereichNach der Querung biegt der Pfad nach Nordwesten in einen kleinen Almwiesenkessel ein, in dem sich eine Schafherde mit Hirt aufhält. Dieser deutet mir den weiteren Wegverlauf zum Korab an: Ein Steilstück wird in einer Serpentine Richtung Nordost erklommen, bevor der Weg in ein karges Hochtal nach Westen abknickt. Kleinere Wasserläufe sind zu durchqueren, dann leiten die Markierungen zu einem markanten Grenzpfahl auf der im Westen befindlichen Kammlinie empor. Kurz vor dem Erreichen des Pfostens schwenkt der Pfad nach Norden ab, wo in den mittlerweile dichter aufgezogenen Wolken einige flache Bergkuppen erkennbar sind. Diese kann ich aus meiner Tourvorbereitung als Gipfel des Golem Korab (2674 m) erkennen. Nochmals motiviert steige ich die letzten hundert Höhenmeter dem Gipfel entgegen.

QuerungEtwa 30 m vor dem Gipfel leuchtet es in der Wolke rechts von mir auf, gefolgt von einem starken Donnnerschlag. Sofort schmeisse ich meine Trekkingstöcke aus den Händen und verdrücke mich in eine kleine Felsnische vor mir. Umgehend beginnt es zu hageln. Die nächsten 20 Minuten sitze ich in der Felsnische während das Gewitter nach Südwesten abzieht. Nur mit Fotoapparat und GPS gehe ich später die letzten Meter zum zerfallenden Gipfelstein, der Almtälerzudem die Grenze zwischen Albanien und Nordmazedonien markiert. Trotz Hagelpause war ich nach 3,75 Stunden am Gipfel. Nach dem Speichern des Gipfelpunktes gehe ich wieder zurück zum Rucksackdepot. Von Osten klart es schnell auf, während ich im noch andauernden Regen den Abstieg beginne.

Im Bereich der Schafherde jagen mir zwei große Hirtenhunde bellend über den Hang entgegen, ein lauter Schrei des Hirten stoppt ihren Lauf abrupt. Ich bin trotzdem erleichtert als Dammdie beiden massigen Fellberge ausser Sicht kommen.

Nachdem ich die große Querung Richtung Osten bewältigt habe, gönne ich mir eine erste größere Pause. Mit ein paar Snacks hole ich die Gipfelrast nach. Die im Sonnenlicht liegenden Almwiesen leuchten nach dem Regen in frischen Grüntönen.

Nach der Rast gehe ich die letzten 600 Höhenmeter Abstieg an. Der markierte Pfad führt durch die Almwiesenhänge teilweise steil aber immer einfach nach unten. Vorbei an der Schafalm treffe ich wieder auf die Forststrasse. Zügig lege ich das letzte Teilstrück bis zum Grenzposten Pobeda zurück, wo ich gegen 15:15 Uhr eintreffe.

Nach der Heimfahrt zu meiner Unterkunft in Mavrovo - wo gerade die nordmazedonische Volleyball-Nationalmannschaft im Rahmen eines Sommertrainingslagers untergebracht ist - feiere ich meinen Gipfel mit einer traditionellen mazedonischen Abendmahlzeit.

Am nächsten Tag fahre ich über Nebenstrassen zurück nach Skopje. Nach einer weiteren Übernachtung fliege ich über Wien zurück nach München.

GPS-Trackansicht mit Google® Maps

Letzte Aktualisierung am 04.08.2019 22:26:23 Uhr